Bei einer Begegnung im Kunstunterricht kommt ein zweifelhaftes Gefühl (Unwohlsein) auf. Nach der Idee der Grounded Theory mache ich dieses zum Ausgangspunkt meiner rollenreflexiven Forschung. Eine künstlerisch-edukative Spurensuche zum Bündnis der Lernenden beginnt. Ziel ist es, durch den Vergleich mit einer anderen Situation in der Theater-AG (Wohlbefinden) eine Vision für Kunstunterricht und Beteiligte zu entwickeln. Dabei berücksichtige ich die theoretischen Prinzipien des Bündnisses der Lernenden nach Marina Garcés und übertrage sie mithilfe machtkritischer kunstpädagogischer Positionen auf meine Praxissemester-Situationen.
Methodisch arbeite ich künstlerisch-edukativ: Stop-Motion-Videos und Zeichnungen verdichten die subjektiven Erfahrungen. Sie werden damit Material für eine konstruktivistische Analyse.
Spurensuche zum Bündnis der Lernenden
Ein Projekt von B.L.
Bildrechte: B.L. 2025, Farbige Zeichnung, ein Strickmännchen vor einem Stuhl mit Sprechblase in der zu lesen ist: "Ach, die ist tot!"
Forschungsfrage
Wie kann im Kunstunterricht ein Bündnis der Lernenden unter Einbezug aller Beteiligten entstehen?
Beschreibung
Learning
Ich erkenne, dass ich meine eigene Situiertheit, meine Privilegien und meine Rollen bewusst reflektieren muss, wenn ich aus meinem eigenen Erleben heraus forschend lernen möchte. Die künstlerisch-edukative Forschung bot mir die Chance, Unsicherheiten produktiv zu nutzen, da sich mir ein Raum eröffnete, in dem ich mein Erleben leichter bearbeiten konnte.
Ausblick
Meine Vision für den Kunstunterricht sowie mein eigenes Entwicklungsziel bestehen darin, mich nicht als Lehrende, sondern als Lernende zu verstehen, die von den Schülerinnen und Schülern lernt und ihre Interessen in den Mittelpunkt des Kunstunterrichts rückt. Ich möchte Dissens als Bereicherung wahrnehmen und gemeinsam mit den Schüler*innen bestehende Machtverhältnisse hinterfragen. Zukünftig möchte ich erforschen, an welchen Stellschrauben Veränderungen möglich sind oder wo bereits Formate ein lernförderliches Umfeld schaffen, beispielsweise durch das Abschaffen von Noten.
Auswertung
Die vergleichende Interpretation anhand der theoretischen Prinzipien macht deutlich, dass das Fallbeispiel im Vergleich zum Gegenbeispiel nicht dem Modell des Bündnisses nach Garcés entspricht. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die unterschiedlichen Rahmenbedingungen (hierarchisch-gezwungener Unterricht vs. freiwillige Situation). Es wird deutlich, wie das Fallbeispiel gestaltet werden müsste, damit eine Begegnung nach dem Bündnis-Modell möglich wäre. Neben den Beteiligten müssen auch der Raum und die damit verbundenen Machtverhältnisse berücksichtigt werden. Zentrale Aspekte sind dabei Milieuschaffung und Verlernen.
Kategorie
Forschungsansätze
Zielgruppe
Schlagworte
Quellen und Referenzen
Altrichter, Herbert/Posch, Peter/Spann, Hermann (Hgg.) (2018), Lehrerinnen und Lehrer erforschen ihren Unterricht: Unterrichtsentwicklung und Unterrichtsevaluation durch Aktionsforschung, 5. Aufl., Regensburg 2018.
Ballath, Silke (2015), „[auf]zeichnungen der eigenen praxis [über]setzen. Vorschlag für eine [selbst]reflexive Zusammenarbeit zwischen Künstler_innen und Lehrer_innen“, in: Eger, Nana/Klinge, Antje (Hg.), Künstlerinnen und Künstler im Dazwischen. Forschungsansätze zur Vermittlung in der Kulturellen Bildung, Bochum/Freiburg 2015, S. 136–144.
Ballath, Silke (2024), Kontextspezifische (Aushandlungs-)Räume pluraler Beziehungsweisen: eine Ethnographie künstlerisch-edukativer Prozesse in einem Modellprogramm, München 2024
Garcés, Marina (2022), Mit den Augen der Lernenden. Aus dem Katalanischen von Richard Steurer-Boulard, Wien u. Berlin 2022 (Katalanische EA 2020), S. 176 -183 und Buchbeschreibungstext.
Mörsch, Carmen (2009) „Glatt und Widerborstig: Begründungsstrategien für die Künste in der Bildung“, in: Gaus-Hegener, Elisabeth/Schuh, Claudia (Hg.), Netzwerke weben. Strukturen bauen. Künste für Kinder und Jugendliche. Oberhausen 2009, S. 45–60.
Creative-Commons-Lizenz
CC-0 1.0