Um mich mit der Thematik der Kleidung als professionelle Selbstdarstellung im Lehrberuf auseinanderzusetzen, habe ich während meines Praxissemesters jeden Morgen mein Outfit fotografiert. Mein Forschungsprojekt zielte darauf ab, meine ästhetische Inszenierung als angehende Kunstlehrerin zu untersuchen. Nach der Praxisphase analysierte ich die 54 Outfits hinsichtlich der Funktionen, die sie in meinem schulischen Alltag erfüllten. Es war nicht ganz einfach, mich und meine Forschung im kunstdidaktischen Diskurs zu verorten, da ich so gut wie keine Literatur finden konnte, die sich mit dem Thema der Selbstinszenierung, Kleidung und Stil in Bezug auf die Kunstdidaktik und Kunstlehrer*innen beschäftigt. Ich stützte mich in meiner Arbeit deshalb vor allem auf theoretische Konzepte zu ästhetischem Handeln und Performativität.
Kleidung als ästhetische Praxis
Ein Projekt von Billo Eyelash
Bildrechte: Billo Eyelash, 2025
Forschungsfrage
Wie inszeniere ich mich als angehende Kunstlehrerin während meines Praxissemesters?
Beschreibung
Learning
Meine Versuche, mich über Kleidung als Kunstlehrerin zu positionieren, waren ab und zu erfolgreich. Wie ich aus positiven Kommentaren aus dem Kollegium ableiten konnte, schien ich deren ästhetischen Erwartungen an eine Kunstlehrerin zu entsprechen. Der Anpassungsdruck war höher als gedacht, ebenso wie meine Fähigkeit, mich anzupassen, sowie meine Bereitschaft dazu. So zeigte sich, dass ich trotz meiner großen Zweifel und meiner Ablehnung gegenüber der Institution Schule vielmehr die Tendenz hatte, mich optisch anzuschmiegen, anstatt mich (radikal) abzugrenzen.
Ausblick
Ob eine die Sehgewohnheiten des Umfelds herausfordernde und radikale optische Abgrenzung kunstpädagogisch wertvoll sein kann, bleibt weiterhin zu erforschen. Mich interessiert aber auch allgemein die Erforschung des „Kunstlehrerinnen-Styles“, seiner Implikationen und Möglichkeiten. Dieses Projekt ist ein Ausgangspunkt für eine längerfristige Beobachtung meiner Outfits und Selbstinszenierung. Im Referendariat, wenn die Rolle der Praktikantin entfällt, wird es spannend, inwiefern sich der Look meiner Lehrerinnenpersönlichkeit noch entwickeln wird. Dann stünde
Auswertung
Die Analyse zeigt, dass mein persönlicher Stil in der Schule permanent durch professionelle Anforderungen, institutionelle Bedingungen und erst zuletzt durch persönliche Ausdrucksbedürfnisse beeinflusst wurde. Das heißt: Meine Inszenierung als angehende Lehrkraft war sehr stark von äußeren Einflüssen geprägt und nur selten bewusst ästhetisch motiviert. Für mich ist nach der Auswertung der Fotos trotzdem klar: Kleidung kann als effektives Mittel für die professionelle Selbstherstellung einer Kunstlehrer*innenpersönlichkeit genutzt werden. Mein Wunsch, meine künstlerische Haltung über meine Outfits sichtbar zu machen, traf jedoch häufig auf pragmatische Hindernisse wie frühes Aufstehen, Hitze im Klassenraum oder begrenzte finanzielle Ressourcen.
Kategorie
Forschungsansätze
Zielgruppe
Schlagworte
Quellen und Referenzen
LENK, Sabine, WETZEL, Tanja: „Kunstpädagogische Kompetenz braucht eine Haltung. Was macht eine ‚gute‘ Kunstlehrerin, einen ‚guten‘ Kunstlehrer aus?“ In: Zeitschrift Kunst Medien Bildung, 2015.
HAARMANN, Anke: „Artistic Research: Eine epistemologische Ästhetik.“ transcript Verlag. Bielefeld, 2019.
BUTLER, Judith: „Gender Trouble“. Routledge. New York, 1999. Abgerufen über: https://selforganizedseminar.wordpress.com/wp-content/uploads/2011/07/butler-gender_trouble.pdf am 29.07.2015.
REICHENBACH, Roland: „Über den ‚Lehrkörper‘ im pädagogischen Diskurs.“ In: Schulinfo Zug Posted at the Zurich Open Repository and Archive, University of Zurich, 2023. ZORA URL: https://doi.org/10.5167/uzh-255123, abgerufen am 07.08.2025. Scientific Publication in Electronic Form. Published Version.
GRUBE, Norbert: „Der Markenartikel als Erziehungsobjekt? Kleidernormen und Kleiderformen bei Schüler/innen und Lehrer/innen im 19. und 20. Jahrhundert“. In: Priem, Karin; König, Gudrun M.; Casale, Rita (Hrsg.): „Die Materialität der Erziehung. Kulturelle und soziale Aspekte pädagogischer Objekte“. Beltz. Weinheim, 2012, S. 185-199. Abgerufen über: https://www.pedocs.de/volltexte/2013/7210/pdf/Grube_Der_Markenartikel_als_Erziehungsobjekt.p df am 30.07.2025
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