Im Rahmen meines Praxissemesters im Fach Kunst an der Johann-Conrad Schlaun Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen habe ich ein autoethnographisches Forschungsprojekt durchgeführt. Ausgangspunkt war meine Situierung zwischen freier künstlerischer Praxis und den Anforderungen schulischer Strukturen. Zentrale Forschungsfrage war, inwiefern die Erfahrungen im Praxissemester meinen Umgang mit der Spannung zwischen künstlerischer Freiheit und schulischer Struktur verändern. Als Materialbasis dient ein handschriftliches Forschungstagebuch, in dem ich Beobachtungen, Eindrücke und Reflexionen aus dem Unterricht dokumentierte. Aus diesen Aufzeichnungen habe ich zwei konträre Fallbeispiele ausgewählt. Eine Stunde mit stark strukturierter Aufgabenstellung und eine Stunde mit sehr offenen Arbeitsbedingungen. Diese beiden Fälle bilden den Kern meiner Analyse und dienen dazu, meine eigene Perspektive auf Freiheit und Struktur im schulischen Kunstunterricht zu reflektieren.
Shift? – Zwischen künstlerischer Freiheit und schulischer Struktur
Ein Projekt von kivi
Bildrechte: Bildnachweis: Vivienne Ibach, 2025
Forschungsfrage
Inwiefern verändert die Erfahrung im Praxissemester meinen Umgang mit der Spannung zwischen künstlerischer Freiheit und schulischer Struktur?
Beschreibung
Learning
Meine Forschung hat mir gezeigt, dass ich meinen eigenen Kunstbegriff erweitern muss, um pädagogisch tragfähige Räume zu gestalten, in denen sowohl Orientierung als auch Freiräume für individuelle Ausdrucksformen Platz haben.
Ausblick
Das Führen eines Forschungstagebuchs und der autoethnographische Zugang haben sich für mich bewährt. Auch die Auswahl zweier konträrer Situationen war hilfreich, um mein eigenes Spannungsfeld zwischen Freiheit und Struktur sichtbar zu machen. Beim nächsten Mal würde ich schon früher klären, wie ich meine Notizen auswerten will, um gezieltere Reflexionen und detaillierte Mitschriften zur spezifischen Forschungsfrage zu haben. Aus der Erfahrung ergeben sich für mich neue Fragen: Wie erleben andere Lehramtsstudierende diese Spannung? Und wie lassen sich Unterrichtsformen entwickeln, die Orientierung geben und zugleich echte Freiräume eröffnen?
Auswertung
Im Verlauf meiner Forschung hat sich die Einseitigkeit meines ursprünglichen Blicks auf Freiheit und Struktur gezeigt. Ausgangspunkt war die Idee, dass künstlerische Freiheit im Unterricht vor allem ermöglicht werden müsse und Strukturen eher einschränkend wirken. Durch die Auswertung eines schriftlich geführten Tagebuchs über Unterrichtsstunden habe ich meine Situierung eingefangen und zwei hospitierte Unterrichtsstunden Analysiert und reflektiert. Ich konnte erkennen, dass Freiheit ohne Rahmung für viele Schüler:innen nicht nutzbar ist und leicht in Orientierungslosigkeit führt, während Struktur nicht nur als Kontrolle, sondern auch als Halt und Möglichkeit verstanden werden kann. Zentral ist dabei das Spannungsverhältnis zwischen beiden Polen: Weder völlige Offenheit noch starre Vorgaben schaffen automatisch produktive Lernräume. Entscheidend ist, wie Freiheit und Struktur miteinander verwoben werden. Meine Forschung hat mir gezeigt, dass ich meinen eigenen Kunstbegriff erweitern muss, um pädagogisch tragfähige Räume zu gestalten, in denen sowohl Orientierung als auch Freiräume für individuelle Ausdrucksformen Platz haben.
Kategorie
Forschungsansätze
Zielgruppe
Schlagworte
Quellen und Referenzen
Ellis, C., Adams, T. E., & Bochner, A. P. (2011). Autoethnography: An overview. Historical Social Research / Historische Sozialforschung, 36(4), 273–290. https://doi.org/10.12759/hsr.36.2011.4.273-290
Freire, P. (1971). Pädagogik der Unterdrückten (U. Bitter, Übers.). Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.
Haraway, D. (1995). Die Neuerfindung der Natur: Primaten, Cyborgs und Frauen (D. Fink, Übers.; C. Hammer & I. Stiess, Hrsg.). Frankfurt am Main; New York: Campus.
hooks, b. (1994). Teaching to transgress: Education as the practice of freedom. New York, NY: Routledge.
Creative-Commons-Lizenz
CC-0 1.0