Reflexion im Bild

Ein Projekt von kivi. Titel: Reflexion im Bild. Zeichnerische Rituale als Instrumente ästhetischer Bildung und Selbstreflexion im Kunstunterricht
in einer zusammenhängenden Linie wurde "Zeichenrituale" schriftlich integriert
Bildrechte: Vivienne Ibach, 2025

Forschungsfrage

Wie lassen sich reflexive Prozesse durch wiederholte Zeichenrituale im Kunstunterricht sichtbar machen?

Beschreibung

Das Forschungsprojekt untersucht, wie kurze Zeichenrituale zu Beginn des Kunstunterrichts Prozesse der Selbstreflexion fördern können. Zwei EF-Kurse führten über vier Wochen hinweg jeweils ein dreiminütiges Zeichenritual durch und hielten ihre Eindrücke anschließend in Reflexionsbögen fest. Die Analyse orientiert sich an der Arts-Based Research (ABR), die künstlerisches Tun selbst als Erkenntnisquelle versteht. In narrativen Fallvignetten zweier exemplarischer Schüler:innen, zeigen sich Linien, Formen und Gesten als sichtbare Spuren innerer Prozesse. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass ritualisierte Zeichenübungen Lernenden einen geschützten Raum eröffnen, um nonverbal zu reflektieren, bevor Gedanken in Sprache gefasst werden.

Learning

Aus der Forschungserfahrung nehme ich vor allem mit, wie fruchtbar es ist, künstlerisches Tun selbst als Erkenntnisquelle ernst zu nehmen. Die Arbeit mit den Zeichenritualen hat mir gezeigt, dass sich Reflexion nicht erst im Gespräch oder in schriftlichen Antworten entfaltet, sondern bereits im Moment der zeichnerischen Handlung beginnt. Diese Erfahrung hat mein eigenes Verständnis von Forschung im Kunstunterricht erweitert: Zeichnungen sind nicht nur Ergebnisse, die man bewertet, sondern Prozesse, in denen sich Denken, Fühlen und Wahrnehmen verschränken. Im Rückblick hat mich die Forschung darin bestärkt, dass solche kleinen, ritualisierten Einstiege eine nachhaltige Wirkung auf die Aufmerksamkeit und die Reflexionsbereitschaft im Kunstunterricht haben können.

Ausblick

Beim nächsten Mal würde ich die Zeichenrituale gezielter auf einen Kurs ausrichten, um die Materialfülle übersichtlicher zu halten, und die Aufgabenstellungen noch präziser formulieren. Die Methode der Arts-Based Research würde ich jedoch unbedingt wieder einsetzen, da sie mir als spannender und innovativer Forschungsansatz erscheint – gerade weil sie sich deutlich von den etablierten Methoden abhebt und künstlerisches Tun selbst ins Zentrum der Erkenntnis stellt.

Auswertung

Die Auswertung der Zeichnungen erfolgte mithilfe der Art-Based Research nach Tom Barone und Elliot W. Eisner. Sie entwickelten Kriterien, anhand derer sich die Analyse der Fallvignetten in meinem Projekt orientiert. Im Zentrum standen dabei Aspekte wie Incisiveness (Treffsicherheit), Concision (Prägnanz), Coherence (Stimmigkeit) und Illumination (Einsicht). Diese Kategorien wurden nicht im Sinne eines festen Rasters angewandt, sondern als Leitlinien verstanden, um die zeichnerischen Prozesse dichter zu beschreiben und ihre Reflexionsdimension sichtbar zu machen. In den Fallvignetten zeigte sich, dass die Zeichnungen mehr sind als spontane Gesten: Sie dokumentieren Übergänge von unbewussten Impulsen hin zu bewusster Auseinandersetzung mit eigenen Zuständen. Besonders die Abfolge der Rituale machte deutlich, dass Schüler:innen im Verlauf zunehmend gezielter arbeiteten und ihre Entscheidungen im Reflexionsbogen reflektierten. So wurden Linien, Formen und gestische Setzungen zu Spuren innerer Prozesse, die durch das ritualisierte Zeichnen hervortreten und in der nachfolgenden Deutung weiter verdichtet werden konnten.

Kategorie

Forschungsansätze

Zielgruppe

Schlagworte

Quellen und Referenzen 

Barone, T., & Eisner, E. W. (2012). Arts based research. Los Angeles, CA: SAGE.
Cahnmann-Taylor, M., & Siegesmund, R. (2008). Arts-based research in education: Foundations for practice. New York, NY: Routledge.
Leavy, P. (2015). Method meets art: Arts-based research practice (2nd ed.). New York, NY: Guilford Press.
Schreier, M. (2017). Kontexte qualitativer Sozialforschung: Arts Based Research, Mixed Methods und Emergent Methods. In G. Mey & K. Mruck (Hrsg.), Qualitative Forschung: Analysen und Diskussionen (S. 191–210). Wiesbaden: Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-18387-5_10

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