Im Praxissemester bin ich der der Forschungsfrage „Welche Bilder entstehen aus der täglichen zeichnerischen Reflexion meines schulpraktischen Alltags?“ über eine visuell-autoethnographische Selbstbeobachtung in Form eines bildnerischen Tagebuchs nachgegangen — offen, ohne zuvor festgelegte Kategorien. Ich wollte untersuchen, welche Gefühle mich während der Praxisphase begleiten und welche Situationen mir auffallen und mich dazu veranlassen werden, sie aufzuschreiben oder zeichnerisch festzuhalten. Auf dieser Grundlage entstanden tägliche Notizen und Zeichnungen, die persönliche Beobachtungen, Gefühle und Situationen aus dem Kunstunterricht dokumentierten. In der Forschungsarbeit werden „Spotlights“ auf einzelne, zeichnerisch festgehaltene Situationen geworfen, die vorgestellt und untersucht werden. Anschließend wird eine Vision eines ethisch-reflektierten Kunstunterrichts entwickelt. Abschließend erfolgt eine Reflexion sowie ein Fazit des Projekts.
EINGEDRÜCKT
Ein Projekt von eljot
Bildrechte: Lilja Justin, 2025: Zeichnerisch festgehaltene Situation aus der Unterrichtsbeobachtung
Forschungsfrage
Welche Bilder entstehen aus der täglichen zeichnerischen Reflexion meines schulpraktischen Alltags?Eine visuell-autoethnographische Selbstbeobachtung in Form eines bildnerischen Tagebuchs nachzugehen.
Beschreibung
Learning
Die Forschung hat mir gezeigt, wie sehr Kunstunterricht als Raum für Begegnung, Diskussion und individuelle Ausdrucksmöglichkeiten wirkt. Ich habe gelernt, dass es wichtiger ist, flexibel und situativ angemessen zu reagieren, als alles perfekt zu planen oder zu formulieren. Das zeichnerische Tagebuch half mir, Erfahrungen zu verarbeiten, meine Haltung zu reflektieren und emotionale Distanz zu schaffen. Zugleich verdeutlichte die Forschungsarbeit, wie wesentlich die ethische Orientierung von Lehrer*innen für die Gestaltung eines inklusiven, diskriminierungskritischen Unterrichts ist. Ich nehme die Erfahrung mit, dass bewusste Reflexion, Selbstfürsorge und ein wertschätzender Umgang mit Schüler*innen zentrale Kompetenzen für die professionelle Praxis sind.
Ausblick
Ich würde die visuell - autoethnographische Methode für zukünftige Forschungsvorhaben erneut anwenden, da sie mir erlaubte, offen und situativ auf den Schulalltag zuzugehen. Ich könnte mir vorstellen, mittels Interviews die Perspektiven der Schüler*innen und Lehrer*innen verstärkt miteinzubeziehen, um die Analyse sozialer Dynamiken und ethischer Fragestellungen zu vertiefen. Die Forschungsarbeit hat mich zu weiteren Fragen angeregt: Wie lassen sich ethisch-reflektierte Prinzipien systematisch im Kunstunterricht verankern? Welche Methoden fördern nachhaltig ein diskriminierungsbewusstes und partizipatives Lernumfeld?
Für mich persönlich hat das Projekt deutlich gemacht, wie zentral die Reflexion eigener Handlungsweisen, der achtsame Umgang mit Differenz und die ethische Verantwortung für das professionelle Handeln im Kunstunterricht sind.
Auswertung
Meine Forschungsarbeit zeigte mir, dass die größte Herausforderung im Praxissemester für mich weniger in der Unterrichtsplanung oder -gestaltung lag, als im fortlaufenden Wahrnehmen, Abwägen und Reagieren auf soziale Dynamiken und Konflikte. Der Kunstunterricht eröffnete Räume, in denen Schüler*innen persönliche Erfahrungen, gesellschaftliche Fragestellungen und künstlerische Ausdrucksformen einbringen konnten. Situationen mit diskriminierenden Bemerkungen, Grenzüberschreitungen und emotional belastenden Momenten forderten mich heraus, schnell und möglichst angemessen zu reagieren. Diese Situationen machten für mich die Spannungsfelder zwischen individueller Freiheit und sozialer Verantwortung sichtbar und verdeutlichten, wie zentral ethisch-reflektiertes Handeln, die Auseinandersetzung mit Differenz, Diskriminierung und die Beachtung eigener Grenzen für mein pädagogisches Handeln sind.
Kategorie
Forschungsansätze
Zielgruppe
Schlagworte
Quellen und Referenzen
Prengel, Annedore, Ethische Pädagogik in Kitas und Schulen, Weinheim / Basel 2020.
Kaiser, Michaela, Gestaltungsfragen einer inklusiven Kunstpädagogik, Zeitschrift Kunst Medien Bildung, 2020 , Zugriff am 11.09.2025.
Kaiser, Michaela, „Die Bildung aller? Geschichte und Geschichten inklusiver Pädagogik“, in: Sabisch, Andrea / Meyer, Torsten / Schürch, Anna (Hg.), Kunstpädagogische Positionen, Bd. 58, Hamburg 2023, S. 9–34.
Kirchner, Constanze, „Welchen Beitrag leistet die Kunstpädagogik zur Persönlichkeitsentwicklung?“, in: Billmeyer, Franz (Hg.), Angebote, München 2008, S. 94–101.
Delfs, Mytree, Diskriminierungskritik in der Schule ist wichtig! Aber wie anfangen? Ein Reflexionsheft für Lehrkräfte und pädagogisches Personal, Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik e.V., Berlin 2024 , Zugriff am 11.09.2025, S. 13 f.
Creative-Commons-Lizenz
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