Das Potential von Kunstunterricht zur thematischen Offenheit als pädagogische Stärke

Ein Projekt von Lennart Kinne
Bildrechte: ohne Abbildung

Forschungsfrage

Besitzt Kunstunterricht, ähnlich wie die Kunst selbst, das Potential zu einer perspektivischen und thematischen Offenheit? Wenn ja: Worauf bezieht sich diese Offenheit, welche pädagogischen Möglichkeiten ergeben sich daraus? Wird die Nutzung dieser Offenheit durch den Kernlehrplan unterstützt? Und wie lässt sie sich im Unterricht erzeugen und nutzen?

Beschreibung

Vor dem Hintergrund der thematischen Flexibilität von Kunstunterricht wird überprüft, wie individuelles situiertes Wissen von Schüler*innen in den Kunstunterricht eingebunden kann und welche pädagogischen Vorteile sich daraus ergeben. In einem Fallbeispiel aus der schulischen Praxis werden Hinweise auf die Bedeutsamkeit von der Anknüpfung an situiertes Vorwissen von Schüler*innen gesammelt, die mit dem Wissensbegriff von Donna J. Haraway in Verbindung gebracht werden. In einer Auseinandersetzung mit dem Kernlehrplan NRW wird untersucht, ob dieser die Berücksichtigung von individuellen Kontexten von Schüler*innen vorsieht. In einem zweiten Fallbeispiel wird eine Aufgabenstellung vorgestellt, bei der die Schüler*innen dazu aufgefordert werden, ihren individuellen Kontext mit der Aufgabe zu verbinden. Abschließend werden Kriterien aufgestellt, die für die Einbindung von situiertem Schüler*innenwissen wichtig sind.

Learning

Mit dem Forschungsprojekt erkannte ich die Bedeutsamkeit des individuellen Vorwissens von Schüler*innen für den Kunstunterricht. Darüber hinaus erkannte ich, wie wichtig eine intellektuell und emotional offene Haltung gegenüber Schüler*innen für die Entstehung einer funktionalen, guten Lerngemeinschaft ist.

Ausblick

Durch bewusstes Platzieren thematischer Freiräume in Aufgabenstellungen kann die Einbringung von situiertem Wissen von Schüler*innen gefördert werden. Es können Aufgabenstellungen formuliert werden, die thematische Freiräume beinhalten und gleichzeitig die nachweisbare Auseinandersetzung mit im Lehrplan festgelegten Kompetenzfeldern aufweisen. Solche Aufgabenstellungen zu entwickeln und gleichzeitig die beschriebene offene Haltung Schüler*innen gegenüber zu zeigen, liegt in der Verantwortung der Lehrkräfte. Ich glaube, dass die Einbringung von situiertem Wissen von Schüler*innen einen wertvollen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung von Kunstunterricht leisten kann. Daher halte ich es für wertvoll, wenn derartige Aufgabenstellungen weiter untersucht werden.

Auswertung

Auch wenn sich im Kernlehrplan von Nordrhein-Westfalen meiner Ansicht nach keine Hinweise darauf finden lassen, hat Kunstunterricht das Potenzial die radikale thematische Offenheit der Kunst dafür zu nutzen individuellen Hintergründen von Schüler*innen Raum zu geben. Der pädagogische Vorteil dieser Offenheit besteht darin, dass Schüler*innen durch Anwendung von individuellem (situiertem) Vorwissen der Zugang zum Unterricht erleichtert werden kann. Dies steigert zudem die Motivation der Schüler*innen. Sie können einen persönlichen Bezug zu Lernsituationen in einer Art und Weise aufbauen, die dazu führen kann, dass sie mehr Impulse mit der Klasse teilen. Das wiederum fördert soziale Interaktionen. Das Einbringen individueller Kontexte unterstützt somit die Entstehung einer funktionalen Lerngemeinschaft.

Kategorie

Forschungsansätze

Zielgruppe

Schlagworte

Quellen und Referenzen 

bell hooks (Watkins, Gloria) Teaching toTransgress. Education as the Practice of Freedom, New York 1994
Gramlich, Naomie, Situiertes Wissen, Open Access Journal zu Gender und Diversity im intersektionalen Diskurs (2021) , Zugriff am 12.09.2025.
Haraway, Donna, Die Neuerfindung der Natur. Primaten, Cyborgs und Frauen, New York 1995.
Künzli, Rudolf, „Lehrpläne, Bildungsstandards und Kompetenzmodelle. Eine problematische Vermischung von Funktionen“, in: Beiträge zur Lehrerbildung 28, S. 440-452.
Sternfeld, Nora, „für einen situierten Universalismus“, in: jour fixe initiative berlin, Kreolische Konstellationen. Münster 2023, S. 153-165

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