Zu Beginn meines Praxissemesters bin ich der Frage nachgegangen, welche Bewertungsmethoden Kunstlehrer*innen nutzen, um die künstlerischen Arbeiten ihrer Schüler*innen zu bewerten. Dafür habe ich Methoden und Bewertungsbögen gesammelt, Gespräche geführt, an Notenbesprechungen teilgenommen und Interventionen mit Schüler:innen durchgeführt. Durch diese forschende Annäherung wurde deutlich, dass sich Bewertung im Kunstunterricht zwischen schulischer Vergleichbarkeit und der Förderung individueller Ausdrucksmöglichkeiten, Kreativität und Eigenständigkeit bewegt und diese Spannung sowohl bei Lehrer*innen als auch bei Schüler*innen zum Teil Unsicherheit erzeugte.
BEWERTUNG(S)_SPIEL_RAUM
Ein Projekt von eljot
Bildrechte: Lilja Justin, 2025, Bewertung(s)_SPIEL_RAUM, Skizze
Forschungsfrage
Final lautete Die Forschungsfrage: Welche Kriterien bestimmen, was im Kunstunterricht als gelungen gilt? Wie lassen sich Bewertungsmuster hinterfragen und erweitern? Kann Schule Räume schaffen, in denen Bewertung neu erlebt werden kann? Ursprünglich lautete die Forschungsfrage: „Welche Bewertungsmethoden und -kriterien ziehen Kunstlehrer*innen heran, um das künstlerische Arbeiten ihrer Schüler*innen zu bewerten?“
Beschreibung
Learning
Diese Erkenntnisse führten zu einer weiterführenden Reflexion: Welche Kriterien bestimmen, was im Kunstunterricht als gelungen gilt? Wie lassen sich Bewertungsmuster hinterfragen und erweitern? Kann Schule Räume schaffen, in denen Bewertung neu erlebt werden kann?
Aus diesen Fragen heraus entstand die Idee für das Kartenspiel Bewertung(s)-Spiel-Raum, das eingefahrene Bewertungsmechanismen aufbrechen, Machtgefälle reflektieren und Bewertung als vielstimmige, dialogische Praxis erfahrbar machen möchte. So soll der Raum Schule genutzt werden können, um neue Formen der Wertschätzung und des gemeinsamen Lernens zu eröffnen. Es soll Lehrer*innen und Schüler*innen ermöglichen, Bewertung nicht nur als einseitige Zuschreibung zu begreifen, sondern als gemeinsamen, dialogischen Prozess, in dem unterschiedliche Perspektiven sichtbar und diskutierbar gemacht werden können.
Ausblick
In weiteren Forschungszusammenhängen würde ich erneut auf die Methode der qualitativen Feldforschung und der Teilnehmenden Beobachtung zurückgreifen, da mir insbesondere das Sammeln von Material, Gespräche und Interventionen eindrucksvolle Einblicke in Aspekte schulischer Bewertung eröffnet haben. Zukünftig könnte ich mir vorstellen, meine Forschung um Interviews mit Schüler*innen und Lehrer*innen zu erweitern, um ihre Perspektiven und Erfahrungen noch differenzierter sichtbar zu machen.
Ein nächster Schritt bestünde darin, das Kartenset im Unterricht einzusetzen, um zu beobachten, welche Dialoge entstehen und wie das Material weiterentwickelt werden kann, um die gemeinsame Aushandlung von Bewertung nachhaltig zu fördern.
Auswertung
Die Beobachtungen und Interventionen zeigten mir, dass Bewertung im Kunstunterricht ein dynamischer, situierter Prozess ist, der stark von Perspektiven, Kontexten und Positionen geprägt wird. Das Spannungsfeld zwischen schulischen Anforderungen und künstlerischen Zielen erzeugt Herausforderungen, die Lehrer*innen im Alltag immer wieder reflektieren und aushandeln müssen. In Gesprächen mit Lehrer*innen und Schüler*innen wurde für mich sichtbar, wie unterschiedlich Bewertungskriterien ausgelegt, diskutiert und angewendet werden (können) – und wie stark die Lehr-Lern-Situation dabei die Wahrnehmung von Leistung beeinflusst.
Kategorie
Forschungsansätze
Zielgruppe
Schlagworte
Quellen und Referenzen
Ballath, Silke, Kontextspezifische (Aushandlungs-)Räume pluraler Beziehungsweisen. Ethnographie künstlerisch-edukativer Prozesse in einem Modellprogramm, München 2024.
Haraway, Donna, Die Neuerfindung der Natur. Primaten, Cyborgs und Frauen, Frankfurt a. M. / New York 1995 (engl. Originalausgabe 1989, hg. von Carmen Hammer und Immanuel Stieß, übersetzt von Dagmar Fink, Carmen Hammer, Helga Kelle, Anne Scheidhauer, Immanuel Stieß und Fred Wolf).
Freire, Paulo, Der Lehrer ist Politiker und Künstler. Neue Texte zu befreiender Bildungsarbeit, Reinbek bei Hamburg 1981 (übersetzt von Horst Goldstein, Betty Oliveira, Ilse Schimpf-Herken).
Peez, Georg (Hg.), Beurteilen lernen im Kunstunterricht. Unterrichtseinheiten, Methoden und Reflexionen zu einer zentralen ästhetik- und kunstbezogenen Fachkompetenz, München 2015.
Diallo, Aïcha / Niemann, Annika / Shabafrouz, Miriam (Hgg.), Untie to Tie. Koloniale Fragmente im Kontext Schule / Colonial Fragments in School Contexts, Bonn 2021.
Creative-Commons-Lizenz
CC-BY-SA 4.0