In meiner Hausarbeit untersuche ich, welche Perspektiven auf die Gestaltung praktischer Aufgaben im Kunstunterricht entstehen, wenn ich diese selbst in meiner Rolle als Künstlerin bearbeite. Mein Datensatz besteht aus den Ergebnissen meiner Bearbeitung von insgesamt neun Aufgabenstellungen unterschiedlicher Lehrkräfte und Stufen, den Aufgabenstellungen selbst, sowie aus Memos, die ich während des Prozesses notiert habe. Durch die Verbindung von kunstbasierter Forschung und autoethnografischen Methoden versuche ich, die Spannung zwischen meinen Rollen als Künstlerin und angehende Kunstlehrerin produktiv zu machen.
Back-2-School
Ein Projekt von Billo Eyelash
Bildrechte: Billo Eyelash, 2025
Forschungsfrage
Welche Perspektiven auf die Gestaltung praktischer Aufgaben für den Kunstunterricht ergeben sich, wenn ich diese als Künstlerin selbst bearbeite?
Beschreibung
Learning
Meine biografischen Prägungen und künstlerischen Vorlieben beeinflussen mein pädagogisches Handeln stark. Manche Kunstpädagog*innen raten, sich davon nicht leiten zu lassen, sondern stattdessen alle Aufgabenstellungen ausschließlich mit Rückbezug auf den Lehrplan zu entwickeln. Meine Vorlieben für bestimmte Materialien und Motive auszublenden, halte ich jedoch für schwierig. Nach diesem Projekt tendiere ich vielmehr dazu, meine Künstlerinnen-Perspektive aktiv in die Entwicklung von Aufgabenstellungen einzubeziehen. Außerdem habe ich den Prozess des Selber-Machens als sinnvolle kunstpädagogische Praxis empfunden, um meine Aufgaben in Zukunft empathischer und motivierender gestalten zu können.
Ausblick
In Bezug auf dieses Forschungsprojekt wäre ein möglicher Ausblick, meinen Datensatz auch hinsichtlich anderer Fragestellungen zu untersuchen, zum Beispiel zu meinem Kunstbegriff oder zu meiner Wahrnehmung von Kunstunterricht im Allgemeinen. Für meine zukünftige Arbeit als Kunstlehrerin möchte ich etablieren, so viele meiner Aufgabenstellungen wie möglich selbst und aus meiner künstlerischen Perspektive heraus zu bearbeiten. Dies ist eine gute Möglichkeit, mein künstlerisches Spezialwissen – wenn auch nur „behind the scenes“ – produktiv in meinen Unterricht einfließen zu lassen. Außerdem bereitet mir dieser Prozess einfach Freude. Neben meiner Rolle als Künstlerin kann ich so auch die Perspektive der Schüler*innen auf meine Aufgabenstellungen einnehmen und sie anschließend empathischer beraten und bewerten. Dabei möchte ich Aufgaben so gestalten, dass sie sowohl fachliche Kompetenzen sichern als auch Freiräume für persönlichen Ausdruck eröffnen – wie es der Lehrplan vorsieht.
Auswertung
Für die kunstpädagogische Bewertung der von mir bearbeiteten Aufgabenstellungen ziehe ich die Kategorien „geschlossene“, „halb-offene“ und „offene“ Aufgaben heran. Die Analyse ausgewählter Fallbeispiele bestätigt, was im kunstpädagogischen Diskurs bereits festgestellt wurde: Geschlossene Aufgaben schulen technische Kompetenzen, lassen aber kaum individuellen Ausdruck zu, während offene Aufgaben mehr Freiheit gewähren. Diese Freiheit ist jedoch stets durch die vom System Schule vorgegebenen Rahmenbedingungen eingeschränkt – sei es durch die anschließende Bewertung oder durch Vorgaben wie Material, Motiv oder Zeitrahmen. Der Prozess der Bearbeitung der Aufgaben aus meiner Künstlerinnen-Perspektive war sehr aufschlussreich, da ich währenddessen auf Schwächen der Aufgaben aufmerksam wurde und intuitiv Anpassungen vornahm. Diese Anpassungen führten meiner Meinung nach nicht nur zu interessanteren Ergebnissen, sondern verbesserten die Aufgabenstellung auch aus pädagogischer Perspektive.
Kategorie
Forschungsansätze
Zielgruppe
Schlagworte
Quellen und Referenzen
Ballath, Silke: Kontextspezifische (Aushandlungs-) Räume pluraler Beziehungsweisen: Eine Ethnographie künstlerisch-edukativer Prozesse in einem Modellprogramm, kopaed, 01.01.2024a, [online] https://www.kopaed.de/dateien/Ballath_digital.pdf.
Hermann, Annette: Kunst studieren, Kunst lehren? Berufbiografische „Vorgeschichten“ und Studienverläufe im Gymnasiallehramt an Kunstakademien in Baden-Württemberg. Dissertation, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, 2019.
Peez, Georg (Hrsg.): Kunstpädagogik und Biografie. 52 Kunstlehrerinnen und Kunstlehrer erzählen aus ihrem Leben – Professionsforschung mittels autobiografisch-narrativer Interviews. München: kopaed, 2009
Penzel, Joachim: Aufgaben stellen. Zur inhaltlichen Gestaltung von Freiarbeitsmaterialien. In: Penzel, Joachim; Meinel, Frithjof (Hrsg.): Do it yourself! Freiarbeitsmaterial für den Kunstunterricht der Grundschule. Methodische Aspekte der Evaluierung und praktische Hinweise zur Selbstgestaltung. München: kopaed, 2014, S. 128–150.
Spivak, Gayatri Chakravorty: An Aesthetic Education in the Era of Globalization. Unveränderte Taschenbuchausgabe der Originalausgabe von 2012. Cambridge, MA / London: Harvard University Press, 2013.
Creative-Commons-Lizenz
CC-BY 4.0